Das Gedächtnis ist ein mieser Verräter…

Die Vergessenskurve 

Der erste Psychologe, der das menschliche Gedächtnis auf eine systematische Weise erforschte, war Hermann Ebbinghaus. Er erfuhr, dass unser Gedächtnis alles andere als zuverlässig ist. Wir können natürlich viel lernen, denn darin sind wir Menschen hervorragend, aber wir vergessen den Lernstoff erschreckend schnell. Dieses Muster nannte Ebbinghaus die Vergessenskurve.

Diese Grafik ist zwar ein bisschen bedrückend, aber es gibt auch gute Neuigkeiten. Die Kurve ist zum Beispiel nicht so steif, wenn wir etwas Bedeutsames lernen. Außerdem können wir das Vergessen reduzieren, wenn wir regelmäßig wiederholen.

 

Man lernt eine Fremdsprache – und vergisst sie…

Jede Person, die eine Fremdsprache lernt, ist auf dieses Problem mit dem Vergessen gestoßen. Man lernt gewissenhaft die Wörter, die Sätze und die Grammatikregeln und fängt allmählich an zu denken, dass die Sprache nicht mehr ganz so schwierig ist. Bei einem Gespräch wird einem trotzdem bewusst, dass die Wörter nicht so fest im Gedächtnis verankert sind wie man dachte. Die Wörter verschwinden, als wollten sie Verstecken mit uns spielen.

Wir vergessen, was wir lernen. Was können wir dagegen unternehmen?

 

Wenn mein Gedächtnis mich im Stich lässt…

Manchmal sehe ich beim Deutschsprechen wie ein Fisch aus. Mein Mund öffnet sich und schließt sich, ohne dass ein einziger intelligenter Satz herauskommt. Zum Glück sind meine Gesprächspartner normalerweise viel klüger als ich. Sie zeigen ihr Mitgefühl, indem sie weiter sprechen oder geduldig darauf warten, bis mein Mund endlich wieder funktioniert.

Mein Mund bewegt sich, aber nichts kommt heraus.

Trotzdem ist es mir wichtig, alles, was ich so mühsam gelernt habe, zu behalten, zu benutzen und gelegentlich während eines Gesprächs rauszubringen. Deshalb habe ich ein bisschen mehr über Ebbinghaus‘ Studien entdeckt. Was hat er erfahren? Was können wir bloß tun, um unser verräterisches Gedächtnis zu verbessern?

Ebbinghaus Entdeckungen

Man vergisst das meiste in den ersten neun Stunden nach dem Lernen. Es lohnt sich also, gleich nach dem Lernen zu wiederholen — mehrere Male in den ersten zwei Tagen.

Wir lernen am besten über einen längeren Zeitraum, wenn wir oft und regelmäßig wiederholen.

Es ist nötig, den Lernstoff zu überlernen. Das ist besonders wichtig bei einer Fremdsprache, denn das Sprechen erfordert schnelle Reaktionen. Man darf nicht zehn Sekunden für jedes Wort benutzen.

Überlernen bedeutet: Auch wenn du glaubst, dass du den Lernstoff schon beherrscht hast, lernst du weiter.  

Neue Lerninhalte sind schwieriger zu lernen als alte Lerninhalte, die man schon (theoretisch) ganz vergessen hat. Das heißt, obwohl man das Gefühl hat, alles vergessen zu haben, hat das Lernen in Wirklichkeit Spuren im Gedächtnis hinterlassen.

Man sollte also nie aufgeben. Je öfter man den Lernstoff wiederholt, desto leichter wird es, ihn zu lernen und nicht mehr zu vergessen.

Wie kannst du am besten wiederholen?

Lern etwas jeden Tag.
  • Versuche jeden Tag etwas zu lernen.
  • Bei einer Fremdsprache lohnt es sich, viele Methoden anzuwenden: Bücher, Songs, Podcasts, Grammatik, Filme und so weiter.
  • Benutze die Zeit, die sonst verloren gehen würde. Lerne etwas, wenn du im Zug bist, in einer Schlange stehst oder spazieren gehst. 
  • Sei systematisch. Zum Beispiel, erstelle kurze Übungen, in denen du den Lernstoff schnell wiederholen kannst. Ich finde diese App und diese Webseite ideal dafür.
  • Konzentriere dich besonders auf die Wörter, die du für das Sprechen brauchst.
  • Hier ist ein interaktives Beispiel, das viele Wörter zu diesem Thema zusammenfasst: 

Ein Quiz

Lies mehr über das Lernen

Tipps, die das Lernen leichter machen in Zeit

Print Friendly